ChorBasics – Grundlagen für alle Chöre in Rock, Pop, Jazz und Gospel

Noten 01: Navigation auf dem Notenblatt (Teil A)

Wenn du keine Noten lesen kannst, sondern das Notenblatt ausschließlich zum Ablesen des Liedtextes verwendest, dann wirst du dich in der Chorprobe manchmal fragen, wieso die anderen plötzlich an einer ganz anderen Stelle weiter singen, als du es vermutet hättest. Ein wildes Geblätter fängt an – wo sind die denn jetzt?! – Und bis du die Stelle gefunden hast, sind die anderen schon wieder ganz woanders.

Um den Ablauf eines Stückes zu erkennen, musst du aber noch gar keine Noten lesen können. Du musst nur wissen, wie ein Notenblatt im Großen und Ganzen aufgebaut ist und einige Symbole und Wegweiser kennen, die im Notenblatt enthalten sind. Wenn du dir die Bedeutung dieser Wegweiser merkst und sie in deinen Notenblättern farbig markierst, bist du, was die Navigation auf dem Notenblatt angeht, auf der sicheren Seite.

1. Welche Noten- und Textzeile ist meine?

Das ist die erste Frage, die du bei jedem neuen Chorstück klären solltest. Das ganze Blatt ist voller Noten, aber meistens ist nur ein Bruchteil davon für dich und deine Stimmlage bestimmt, den Rest singen die anderen.1 Es gibt zwei verschiedene Arten, die unterschiedlichen Stimmlagen in einem Notensystem darzustellen:

A) Die ausführliche Variante

In einem mehrstimmigen Chorsatz werden die einzelnen Stimmlagen untereinander notiert. Im gemischten 4-stimmigen Chorsatz ist die oberste Notenreihe für den Sopran (hohe Frauenstimmen) gedacht, die 2. Reihe für den Alt (tiefere Frauenstimmen), die 3. Reihe für den Tenor (höhere Männerstimmen) und die 4. Reihe für die Basslage (tiefe Männerstimmen). Entsprechend der verwendeten Stimmlagen gibt es auch viele andere Möglichkeiten, im gezeigten Beispiel handelt es sich um einen Chorsatz für Sopran, Mezzo (für Mezzosopran) und Alt mit zusätzlichem Solo. Am linken Rand sind die Notensysteme mit einem Balken oder einer Klammer zu einem Notenblock verbunden (siehe Abb. 1).

1.) In manchen Chören erhalten die SängerInnen jeder Stimmlage eigene Notenblätter, die nur die von ihnen zu singenden Noten enthalten. Was auf den ersten Blick komfortabel erscheinen mag, entpuppt sich mittelfristig als Manko: Die SängerInnen können auf diese Weise nicht den Gesamtzusammenhang eines Stückes erfassen und lernen auch nicht, sich Stimmlagen-übergreifend zu orientieren und bei Bedarf zu helfen. Ist in Pop- und Jazzchor-Arrangements aber nur sehr selten anzutreffen.

Wenn du also hier im Beispiel „Mezzo“ singst, dann brauchst du immer nur die 3. Reihe des Notenblocks (bzw. den Liedtext, der unter der 3. Reihe steht) zu lesen und gehst am Ende der Zeile weiter in die 3. Reihe des nächsten Notenblocks.

B) Die sparsame Variante

In manchen Stücken werden zwei (oder mehr) Stimmlagen in einer Notenzeile dargestellt, z.B. Sopran und Alt. Wenn dich sowieso nur der Liedtext interessiert, kann dir das egal sein, denn der Text ist für Sopran und Alt dann meist der gleiche. Wenn du aber auch die Noten lesen willst, dann singst du als Sopran die oberen Noten und als Altistin die unteren. Die Reihenfolge ist also die gleiche wie in der ausführlichen Variante: z.B. im gemischten 4-stimmigen System oben Sopran, darunter Alt, in der unteren Notenzeile oben Tenor, unten der Bass (siehe Abb. 2).

2. Und wo geht’s jetzt weiter? „Weiter ab Takt 35“:

Wenn du diese Aufforderung während der Chorprobe erhältst und nicht weißt, wo das sein soll: Jede Notenzeile ist durch senkrechte Taktstriche mehrfach unterteilt. Meist stehen über den Taktstrichen der Sopranstimme kleinen Zahlen, das ist die Taktnummerierung. Manchmal steht auch nur am Anfang jeder Notenzeile eine Taktnummer, den Rest muss man sich dann denken. Wiederholungszeichen Wenn eine Passage in einem Lied zweimal hintereinander gesungen werden soll, wird das in den Noten durch ein Wiederholungszeichen kenntlich gemacht: ein doppelter Taktstrich mit zwei Punkten davor. Häufig ist das z.B. der Fall, wenn ein Stück nur aus zwei oder drei Strophen und einem Refrain besteht, die immer abwechselnd gesungen werden. Dann steht das Wiederholungszeichen am Ende des Refrains und bedeutet: Ganz zurück zum Anfang und die zweite Strophe singen. Wenn Stücke etwas komplexer aufgebaut sind, können dir aber auch an anderen Stellen Wiederholungszeichen begegnen. Sie befinden sich dann am Anfang und Ende der zu wiederholenden Passage. In der nächsten Folge machen wir genau hier weiter, denn es gibt noch mehr Wegmarken in Notenblättern, die dir helfen können, dich während des Singens nicht zu verirren.

Noten 02: Navigation auf dem Notenblatt (Teil B)

In der letzten Folge haben wir 1. die Taktnummerierungen und 2. das Wiederholungszeichen vorgestellt. Es gibt aber noch einige weitere Wegweiser im Notenblatt, die den vorgesehenen Ablauf kennzeichnen:

3. Die „Häuschen“ (Volta, Voltenklammern)

Viele Stücke – meist die interessanteren – bestehen nicht nur aus immer gleichen Strophen und einem immer gleichen Refrain, sondern variieren einzelne Passagen zum Ende hin.

Beispiel:

Du singst eine Strophe mit einem Refrain, dann kommt ein Wiederholungszeichen. Du gehst also wieder zum Anfang zurück und singst die zweite Strophe, wieder mit Refrain.

Nun soll der zweite Refrain aber ein bisschen anders enden, damit er eine Überleitung schafft zur nächsten Passage, die nun eine ganz andere Melodie hat als die bisherigen Liedteile. Für dieses „ein bisschen anders“ wurden die Häuschen (offiziell: Volta oder Voltenklammern) erfunden, die immer mit einer kleinen punktierten Nummer versehen sind. Hinter dem ersten Häuschen steht ein Wiederholungszeichen, dann folgt das zweite Häuschen.

In diesem Beispiel singst du also von vorne bis zum Ende von Häuschen 1. Weil dort ein Wiederholungszeichen steht, kehrst du zurück zum Anfang und singst das gleiche noch mal. Beim zweiten Mal überspringst du aber Häuschen 1 und singst stattdessen in Häuschen 2 weiter. Soweit klar?

Du kannst sie in deinen Notenblättern farbig markieren oder ein Dach oben drauf malen, damit du sie beim Singen schneller als Häuschen erkennst. Macht Martina auch immer.

4. A-, B-, C-Kästchen (sog. „Studierzeichen“)

Manche Musikstücke haben so viele verschiedene Teile, die wiederum dermaßen munter hin- und her wiederholt werden, dass Wiederholungszeichen und Häuschen allein zu unübersichtlich sind, um den Ablauf darzustellen.

Die Lösung: Jede neue Passage erhält an ihrem Anfang ein Kästchen mit einem Großbuchstaben (die fortlaufend, z.B. A, B, C usw. verwendet werden). Du findest sie – wenn es welche gibt – meistens oberhalb der Sopranstimme.

Manche Arrangeure verwenden keine A-B-C-Kästchen, sondern schreiben stattdessen dick und fett die Taktnummer in das Kästchen der entsprechenden Stelle. Das macht die Suche beim Zurückblättern in manchen Fällen leichter.

Die Buchstaben-Kästchen unterteilen das Stück zwar fortlaufend in einzelne Passagen, wenn du das Stück aber dann in der Reihenfolge singst, wie es gedacht ist, dann kann sich z.B. folgender Ablauf ergeben:

5. Capo

Capo bedeutet wörtlich Kopf. Wenn in einem Musikstück an einer bestimmten Stelle „Da Capo“ oder D.C. steht, dann sollst du von dieser Stelle aus wieder zurück an den Anfang gehen und wieder von vorne beginnen. Einfache Wiederholungen (Wiederholungszeichen) werden beim „Da Capo“ nicht noch einmal wiederholt. Ausnahme: „Da Capo con rep.“ (con repitione = mit Wiederholung).

6. Coda

Manche Lieder haben einen gesonderten Schlussteil, die Coda (ital. Schwanz). Das Coda-Zeichen markiert in den Noten die Stelle, wo der Schlussteil anfängt. „Da Coda“ heißt demzufolge: „Springe von hier aus direkt in den Schlussteil“.

7. Segno

Das Symbol Segno (gesprochen: Senjo ) bedeutet ganz einfach „Zeichen“. Wenn du es in einem Musikstück findest, markiere es und suche weiter. Denn wo ein Segno-Symbol steht, wird später auch irgendwo die Abkürzung D.S. (Dal Segno = „vom Zeichen“) auftauchen, meist mit einem zusätzlichen doppelten Taktstrich versehen – bitte ebenfalls markieren.

Wenn du das Lied nun singen willst, dann singst du über das Segno-Symbol locker hinweg, bis du bei „D.S.“ landest. Dann kehrst du zum Segno-Symbol zurück und singst von hier aus weiter.

Manchmal steht in einem Lied nicht nur „D.S.“, sondern „D.S. al Fine“ oder „D.S. al Coda“. „Fine“ und „Coda“ bedeuten fast das gleiche, nämlich Ende bzw. Schlussteil. Wenn du also bei „D.S. al Coda“ landest, kehrst du zurück zum Segno-Symbol und singst von dort aus weiter bis zum Ende (dort steht „Fine“ in den Noten) bzw. springst bei „Coda“ in den Schlussteil (die Coda). Die beginnt wieder mit einem großen Coda-Zeichen.

8. Häufige Kombinationen der Abkürzungen

Am besten lernst du all die vorgestellten Zeichen und Abkürzungen, wenn du sie in deinen Notenblättern farbig markierst und evtl. deine persönliche Erklärung dazuschreibst. Und wenn du mal eine Viertelstunde Zeit hast, dann gehst du deine markierten Notenblätter durch und versuchst dich zu erinnern, was die Zeichen alle bedeuten. Du wirst sehen: Mit der Zeit bleibt was hängen!

Noten 03: Was auf einem Notenblatt alles drauf ist

So ihr Lieben. Die ersten beiden Folgen waren ja für diejenigen, die nicht unbedingt Noten lernen, aber sich trotzdem in Notenblättern orientieren wollen, damit sie wissen, wann sie welchen Text singen sollen. Nun geht es weiter für die Neugierigen, die noch ein bisschen mehr wissen wollen und die Tapferen, die nicht unbedingt wollen, aber doch denken, dass es Sinn machen könnte, mehr zu wissen. In dieser Folge verschaffen wir uns einen Überblick darüber, was auf einem Notenblatt alles drauf ist. Bevor wir uns in irgendwelchen Details verirren, also erstmal der Blick aufs große Ganze und seine wichtigsten Elemente.

Auf einem Notenblatt findest du … (s.a. Abbildung auf Seite 2)

Notenlinien: Immer fünf Linien ergeben eine Notenzeile. Bei mehrstimmigen Chorarrangements werden die Notenzeilen für die verschiedenen Stimmlagen durch einen Balken / eine Klammer am linken Rand zu einem Notenblock zusammengefasst. Notenschlüssel: Der steht immer am Anfang der (ersten) Notenzeile. Er zeigt an, in welcher Tonlage die folgenden Noten gesungen werden sollen. Ein ganz eigenes Thema, das uns vorerst noch nicht kümmern muss.

Taktart: Hinter dem Notenschlüssel stehen zwei Zahlen untereinander, meistens sind das in Chorstücken die Zahlen 3/4 oder 4/4, manchmal aber auch 4/8, 6/8 oder 5/4. Diese Zahlen geben die Taktart an, die dem Lied zugrunde liegt. Die Taktart ist wichtig, um beim Singen in den richtigen Rhythmus hineinzufinden. Wenn du hinter dem Notenschlüssel keine Zahlen findest, dann steht dort vermutlich stattdessen ein stilisiertes C. Das ist ein Symbol für den 4/4-Takt.

Taktstriche: Sie unterteilen die Notenzeilen in zeitlich gleich lange Abschnitte. Das erleichtert die Orientierung innerhalb einer Notenzeile. Neben den einfachen Taktstrichen gibt es auch noch welche, die eine besondere Bedeutung haben, wie z.B. das Wiederholungszeichen, das du bereits kennen gelernt hast.

Noten: Hinter der Angabe der Taktart geht es los mir den Noten: offene oder gefüllte Ovale/Kreise, mal mit, mal ohne Notenhals, Fähnchen und Querverbindungen. Eine Note sagt immer zweierlei: 1. wie hoch oder tief der Ton ist, den du singen sollst. Das sieht man an ihrer (höheren oder tieferen) Position in den Notenlinien. 2. wie lange du diesen Ton ohne Unterbrechung singen sollst. Als Faustregel kannst du dir schon mal merken: Je mehr an einer Note „dran“ ist (Hals, Füllung, Fähnchen), desto kürzer und schneller wird sie gesungen.

Pausenzeichen: Jedes Lied hat Pausen (man will ja auch mal Luft holen). Manche Stücke haben lange, andere sehr kurze, effektvolle Pausen, und für jede Pausenlänge innerhalb eines Taktes gibt es ein eigenes Zeichen. Zusammen mit den Notenlängen bestimmen die Pausen, wann ein Ton gesungen wird.

So, das sind erstmal die wichtigsten Elemente, die du auf einem Notenblatt findest. Je nachdem, welches Stück du dir ansiehst, wirst du darüber hinaus noch einigen anderen „Kleinkram“ finden: Zeichen und Bezeichnungen, die z. B.:

  • die Höhe eines Tones variieren (b, #, sie stehen entweder am Anfang des Noten- Systems direkt hinter dem Notenschlüssel, dann gelten sie für das ganze Stück, oder direkt vor der betroffenen Note; dann gelten sie für diese Note bzw. alle identischen Noten in diesem betreffenden Takt).
  • die vorgesehene Geschwindigkeit, Lautstärke und den Stil des Gesangs (Latin, Jazz, etc.) beschreiben. Sie können am Anfang und/oder im Laufe eines Stückes auftauchen.
  • den Ablauf eines Stückes, z.B. Wiederholungen einzelner Passagen, kennzeichnen. Diese Zeichen und Bezeichnungen hast du in den Folgen 1 + 2 bereits kennen gelernt.

An die weiteren Details – z.B. welche Noten, Pausenzeichen und Taktarten es gibt – werden wir uns in den nächsten Folgen Schritt für Schritt heranwagen.